i'm just killing lately

Meine Mutter hat mal wieder bewiesen, wie absolut toll sie ist. Gestern musste ich beim Abladen von Brennholz helfen (wir haben einen Kamin) und war angepisst, weil das denen gestern Abend um sechs noch einfällt.
Vom meiner Mutter kam natürlich der wohl berühmteste Satz: "Ja, dann lass es einfach!" Aber weil ich es nicht leiden kann, wenn sie danach dumm rumlabert und ich mir dann wieder Tage lang anhören muss, wie unsozial ich bin und bla, hab ich geholfen, hatte den MP3-Player im Ohr und weitgehend dabei meine Ruhe. Das Helfen hat mich auch nicht gestört, die Arbeit war okay, es war angenehm frisch und ich hab Musik gehört, war nur eben sauer, weil denen das jetzt einfällt.
Jeder, der mich fünf Minuten kennt, weiß, dass man mich, wenn ich sauer bin, am besten ignoriert, wenn man sonst nichts mit mir anzufangen weiß, meine Mutter weiß es bis heute nicht.

Jedenfalls hatte sie nichts Besseres zu tun, als mich konsequent zu provozieren. Und das erfolgt mit Sätzen wie: "Du hast gar keinen Grund, sauer zu sein." oder "Spiel dich nicht so auf, du bist hier nicht das arme Opferkind."
Aber das schärfste schlechthin war die Aussage: "Du brauchst hier nicht den Märtyrer spielen." Das begründete sich darauf, dass ich keine Arbeitshandschuhe wollte, um das Holz anzufassen. Ich hätt sie nicht gebraucht, das Holz hat nicht gesplittert und außerdem ekelt es mich davor, diese Handschuhe anzuziehen, bei denen ich nicht weiß, was wirklich drin ist. Aber gut. Irgendwann war es mir genug und ich hab geantwortet: "Ich muss mir nachher eh wieder anhören, dass ich nur Geld von euch will." (Was übrigens stimmt, das kam das letzte Mal wörtlich so an Neujahr von ihr.)
Da war sie natürlich ganz empört, ich hab einfach weiter gearbeitet und bin dann duschen gegangen. Ich muss zugeben, mit fünfzehn war ich selbst wirklich so ein bisschen auf der Schiene: 'Ich zeig denen, wie schlecht es mir geht.' Aber A hab ich das nie wirklich getan, weil ich mir dumm dabei vorkam und B tu ich das jetzt bestimmt nicht mehr, weil es keinen Sinn hat. Das Resultat hab ich eben berichtet und ich habe nicht vor, mich um derentwillen kaputt zu machen, egal in welcher Form. Aber meine Mutter bringt Dinge daher, die mir mit vierzehn durch den Kopf gegangen sind. Das muss man sich mal vorstellen.

Aber gut, das Ganze hatte natürlich noch eine Fortsetzung. Meine Mutter kam dann gestern Abend voller Empörung in mein Zimmer gestürmt, hatte diesen Clint Eastwood-Blick, den sie immer hat, wenn sie besonders bedrohlich auftreten will und meinte in üblicher Manier: "Das vorhin fand ich sowas von daneben von dir, nur dass du es weißt!"
Natürlich wollte sie rausstürmen und jeder halbwegs kluge Mensch hätte das schweigend zugelassen, aber ich konnte meine Klappe nicht halten und meinte: "Stimmt doch." Wie gestochen kam sie zurück und motzt mich an und unter Anderem musste ich mir dann anhören: "Du bist so kaltschnäuzig, die Menschlichkeit ist an dir gänzlich vorbeigegangen, du willst immer nur was von uns und wenn du was willst, dann sind wir recht." Und so ging es noch eine Weile fort.

Ich hab mir in all den Jahren vieles angehört und hingenommen, was sie aufgebracht hat und inzwischen habe ich eingesehen, dass es nichts gibt, mit dem man es ihr recht machen kann, aber dass gerade ich unmenschlich sein soll, das wollte ich nicht hinnehmen. Nicht von so einer wie der, die ihre Familie ausnutzt und zum arbeiten einspannt, aber über sie spricht, als wären es Außerirdische vom Mars, die Dankbarkeit nicht kennt und die immer erst an sich denkt. Normalerweise hätte ich das alles abgetan, aber da konnte ich nicht anders, als zu sagen: "Das brauch ich mir von dir nicht sagen lassen."
Es folgten noch zwei Höhenflüge. Zum einen warf sie mir an den Kopf: "Bei deinem Vater hast du es ja schon geschafft. 'Zu dem geh ich nur noch, wenn ich was will.'" Wenn ich nur einen halbwegs netten Nebensatz an meinen Vater verschwende, muss ich mir drei Wochen lang anhören: "Dann zieh doch zu ihm, wenn es dir nicht gefällt." Aber gut, man nimmt, was man kriegen kann.
Und der Gipfel war: "Wenn du mich so hasst, dann zieh doch aus." Jetzt muss man erwähnen, dass ich aus Prinzip niemanden hasse. Nicht, dass ich alle Menschen liebe, oder gar, dass ich gegen niemanden was habe. Es gibt viele, die ich nicht leiden kann und das lass ich sie auch spüren. Aber ich hasse niemanden, weil das demjenigen mehr Macht über mich gibt, als mir lieb sein kann.

Darum meinte ich: "Ich hasse dich nicht, das habe ich nicht nötig." Und es folgte natürlich gleich wieder ein Hagel aus Sätzen wie: "Du bist so eingebildet. Und nur weil du nun ein wenig Geld hast, kommst du dir groß vor."
Ja, das Ende vom Lied ist natürlich, dass sie davongestürmt ist und mich, das ganz schreckliche, unmenschliche Kind, das so absolut egoistisch und böse zu ihr ist, zurücklässt in seinem Paradies.

18.1.09 11:02
 


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bisher 2 Kommentar(e)     TrackBack-URL


excuses / Website (18.1.09 13:09)
misslungener Versuch

http://excuses.myblog.de/excuses/art/6543137/Immer-wieder#comm




Rose / Website (19.1.09 08:01)
Deine Mutter hat wohl ziemliche Probleme. Kommt sie mit sich und ihrer Situation nicht zurecht? Und muss jetzt den Frust an Dir auslassen?

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