i'm just killing lately
Spiegel

Kapitel 6: Call of me

Die Zeit ist eine lästige Angelegenheit. Sie lässt sich nur ungern ignorieren und rächt sich in der Regel für jede Nichtbeachtung ausgesprochen gründlich.

Das bekam auch Niyara zu spüren, die versucht hatte, sich dieser zu entziehen. Aber nicht immer bringt die Zeit Schlechtes. Immer aber Zerfall und Aufbau, Bewegung also.

Die Katze hatte versucht, sich zu verstecken, sich anzupassen oder zumindest so zu tun, als sei alles in Ordnung. Die Häuser waren noch da und auch die Menschen, die anderen. Alle waren da, keiner schien sich zu verändern. Und trotzdem blieb nichts beim alten.

Die Zeit brachte Unliebsamkeit und Unruhe, aber sie brachte die Katze auch dazu, erneut das Dorf zu verlassen, den Feldweg zu gehen. Sie stand an der Kreuzung und dachte nach. Lange zögerte sie, viele stellten sie vor die Wahl. Manche verlangten eine Antwort, andere warfen ihr die Frage vor, aber schließlich blieb ihr nichts, als den ersten Schritt zu tun. Sie hatte keine Wahl.

Aber der erste Schritt war nicht so schwer, wie sie gedacht hatte. Ihre Pfoten traten ruhig, leise, lautlos auf und ihr Fell machte sie in der Dunkelheit unsichtbar. Auch der zweite Schritt war weitaus weniger schlimm, der Dritte war sogar irgendwie befreiend, aufrichtig. Die Welt war da, sie war offen und sie hatte Platz. Platz genug für eine Katze, Platz genug für neun Katzen. Sie sah zurück, ein paar Mal. Aber niemand folgte ihr. Sie hörte  Stimmen, manche waren irritiert, dass sie weg war, andere begannen schon, schlecht von ihr zu reden, verleiteten ihr die Überlegungen der Rückkehr und Schritt für Schritt ging sie weiter in die Dunkelheit. Wie weit, wusste sie nicht. 

10.9.08 21:33


Werbung


[erste Seite] [eine Seite zurück]  [eine Seite weiter]
Gratis bloggen bei
myblog.de